Wer hilft bei Potenzstörungen?

Darum ist ärztliche Hilfe bei erektiler Dysfunktion so wichtig

Viele von anhaltenden Potenzstörungen Betroffene konsultieren – oft aus falscher Scham nicht länger als „echter Mann“ zu gelten – keinen Arzt. Das ist gleich aus mehreren Gründen bedenklich. Denn zum einen wird erektile Dysfunktion häufig durch Erkrankungen wie arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ausgelöst, die – wenn sie noch nicht diagnostiziert wurden – unbedingt behandelt werden müssen. Zum anderen deuten die Ergebnisse gleich mehrerer wissenschaftlicher Studien darauf hin, dass für Männer die an erektiler Dysfunktion leiden, ein höheres Risiko besteht, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Da für das Auftreten einer erektilen Dysfunktion sehr viele verschiedene Faktoren ursächlich sein können, sollten am besten spezialisierte Fachärzte aufgesucht werden. Infrage kommen hierfür im Wesentlichen Urologe und Andrologen. In einigen Fällen kann zusätzlich noch die Konsultation eines Sexualtherapeuten hilfreich sein.

 

Urologe

Ein Urologe diagnostiziert und therapiert Erkrankungen der Harn bildenden sowie Harn ableitenden Organe des Mannes. Deshalb wird bei Problemen mit Geschlechtsorganen – so auch bei erektiler Dysfunktion – häufig ein Facharzt für Urologie konsultiert. Dieser versucht in der Regel, zunächst in einem Anamnesegespräch mit seinem Patienten mögliche Anhaltspunkte für die anhaltende Erektionsstörung zu entdecken. Abhängig von den gewonnenen Erkenntnissen versucht der Urologe nun durch eine oder mehrere Untersuchungen Gewissheit zu erhalten. So können etwa mittels des Verfahrens der Penilen Sympathischen Hautantwort die Aktivitäten der Muskeln gemessen werden. Die Nächtliche Penile Tumeszenz- und Rigiditätsmessung ist zwar aufwendiger, führt aber oft zu aufschlussreichen Ergebnissen. Hier werden die bei normaler Potenz obligatorischen nächtlichen Erektionen aufgezeichnet.

Liegt – wie in den meisten Fällen – keine schwerwiegende Erkrankung vor, verschreibt der Facharzt häufig ein chemisches Potenzmittel, auf den Hinweis natürlicher Alternativen wird leider noch weitestgehend verzichtet. Einen verantwortungsvollen Arzt erkennt man daran, dass er auch auf Nebenwirkungen und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hinweist. Diese können nämlich ernsthafte Folgen – im Extremfall bis hin zum Tod des Patienten – haben.

 

Androloge

Während das Fachgebiet Urologie in der Öffentlichkeit relativ bekannt ist, können viele Menschen mit dem Terminus Andrologie recht wenig anfangen. Hierbei handelt es sich um das Pendant zur Gynäkologie. Im Fokus eines Andrologen stehen Störungen und Erkrankungen an den Geschlechtsorganen des Mannes. Somit fällt auch das Thema Potenzstörungen eindeutig in dieses Gebiet. Im Unterschied zur Urologie ist die Andrologie in höherem Maß eine interdisziplinäre Disziplin. Hier fließen zwar auch die Kenntnisse von Fachleuten aus der Urologie, aber genauso aus anderen Bereichen wie Dermatologie, Sexualmedizin, Mikrobiologie usw. ein.

Zu einer Diagnose gelangt ein Androloge auf einem ähnlichen Weg wie ein Urologe. Allerdings werden hier tendenziell häufiger – je nach Fachgebiet und Wissensstand des Andrologen – auch Alternativen zu Phosphodiesterase-5-Hemmer aufgezeigt. Besonders Präparate mit der Aminosäure Arginin spielen dabei eine große Rolle. Schließlich haben mehrere wissenschaftliche Untersuchungen eine positive Wirkung bei Probanden gezeigt. Zudem existieren im Unterschied zu den blauen Pillen & Co praktisch keine Neben- oder Wechselwirkungen.

 

Sexualtherapeut

Die Konsultation eines Sexualtherapeuten ersetzt keinesfalls die Diagnose und Behandlung durch einen Urologen oder Andrologen. Vielmehr stellt sie eine Ergänzung dar, die in einigen Fällen sinnvoll ist. Zwar hat eine erektile Dysfunktion oftmals körperliche Ursachen. In einigen Fällen beeinträchtigt aber auch die Psyche die Potenz. Wenn der Mann etwa morgens oder nachts zwar eine Erektion hat, aber beim Sex damit signifikante Probleme hat, ist das ein Indiz dafür, dass der Grund der Potenzstörung im Bereich der Psyche zu suchen ist.

Hier sollte ein Sexualtherapeut aufgesucht werden, der sich auf solche Leiden spezialisiert hat. Häufig spielen übertriebe Erwartungen oder ein einseitiges Rollenverständnis in der Partnerschaft eine Rolle und belasten die Psyche. Deshalb ist in vielen Fällen auch eine Paartherapie sinnvoll.